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Flugtag 1

Tja Leute, nun ist es schon wieder so weit. Die heutige Flugcrew bestehend aus Christina, Daniel (II), Jan und Stefan wartet darauf, dass es losgeht. Die drei Dispenser sind mit Partkeln mit ca. 3 µm, 4 µm und 9 µm Durchmesser gefüllt. Der 4er ist bei Zyflex quasi unser Standardstaub. Damit wollen wir ein paar Experimente vom letztem Mal vervollständigen, die die Form von Staubwolke und Void bei verschiedenen RF-Einstellungen betreffen. Außerdem soll versucht werden, die Elektronentemperatur und somit die Staubladung zu beinflussen. Dazu werden zwischen den Einschaltzeiten der einzelnen Elektroden jeweils Totzeiten eingefügt, wodurch die mittlere Elektronentemperatur gegenüber den bisherigen Sequenzen mit 100% Einschaltdauer reduziert werden sollte.

Den 3er und den 9er-Staub wollen wir gemeinsam einschütteln und versuchen ein Gemisch herzustellen. Bei der letzten Kampagne haben wir bereits Gemische mit kleineren Größenunterschieden untersucht und keine Entmischung gefunden, was für ein recht kräftefreies System spricht. Dies wollen wir nun mit noch größeren Größenunterschieden verifizieren.

Technisch sind wir ganz gut fertig geworden. Gestern konnte noch das „Team Software“ die Arbeiten abchließen. Nachmittags wurde es ein wenig stressig, als einer der magnetischen Hightech-Interlocksensoren nicht erkannt wurde. Das heißt dann meistens, das betroffene Containment-Panel einmal ab- und wieder dranzuschrauben. Außerdem haben wir noch versucht die Position von Sensor und Magnet etwas zu optimieren, auch wenn wir nicht so recht wissen, wo das Problem eigentlich liegt. Heute früh hatten wir dasselbe Spiel nochmal. Drückt uns die Daumen, dass es nicht im Flug passiert! An das nächste Rack kommen auf jeden Fall wieder klassische mechanische Schalter…

Der Wochenendbericht

Da das Format mit weniger, dafür ausführlicheren Beiträgen ganz gut anzukommen scheint (Vielen Dank an die Kommentierenden für das Feedback!), versuchen wir das mal beizubehalten. Ich bin selber gespannt, wie gut das an den Flugtagen klappt. 😉 Zunächst jedoch der obligatorische Rückblick auf das Wochenende:

Nachdem am Freitag um 17 Uhr bei Novespace Feierabend war, ging es zunächst mit der Straßenbahn nach Bordeaux. Seit die Bahn vor einigen Jahren bis zum Flughafen verlängert wurde, geht das echt gut und ist Feierabendstau und Parkplatzsuche deutlich vorzuziehen. Nach einem indischen Abendessen ging’s zum Spiegel, sodass wir gleich den ersten Pflichtprogrammpunkt für unsere „Neulinge“ abhaken konnten.

Am Samstag war dann ein weiterer Klassiker dran: Bei bestem Wetter ging es auf die Dune du Pilat – sogar mit Baden.

Trotz eines bedauerlichen Irrtums können wir außerdem die erfolgreiche Durchführung eines Baguette & Jeanette am Samstagabend vermelden, wenn auch nicht ohne Komplikationen. Manche wollten es wohl heraufbeschwören. Trotz sorgfältigster Vorbereitung haben es die notwendigen Utensilien nicht zum Wochenende ins Auto geschafft. Doch das hält uns natürlich nicht auf, wir sind schließlich gewohnt zu improvisieren. Am Ende kommt es doch nur auf die Wein- und Käseauswahl an, oder? (Wie das Seize da auf den Tisch kommt, das können wir uns allerdings auch nicht erklären…)

Gestern (Sonntag) konnten wir einen von manchen lang erwarteten Programmpunkt abhaken. Schon seit ein paar Jahren gibt es die Bassins des Lumières. Aus irgendeinem Grund haben wir es dort letztes Jahr allerdings nicht hin geschafft. Es handelt sich um eine animierte Projektions-Kunst-Ausstellung in einem ehemaligen deutschen U-Boot-Bunker im Hafen von Bordeaux. Auf dem Programm stand eine Ausstellung holländischer Meister von Vermeer bis Van Gogh. Beeindruckend. Neben diesem ca. 45-minütigen Hauptprogramm gab es noch eine Show mit Werken von Piet Mondrian sowie einen separaten Raum mit zeitgenössischer Animationskunst. Schwer zu beschrieben, aber sehr cool das Ganze, schaut euch die Details am besten selber an: https://www.bassins-lumieres.com.

Nachdem wir an der Garonne-Promenade die Eindrücke sacken lassen konnten, hatten manche dann immer noch nicht genug. So gab es dann noch einen Trip nach Saint-Émilion (André, Florian, Daniel I) bzw. einen Stadtrundgang (Jan, Stefan).

Abendessen gab es dann dort, wo mal „O Panda“ war. Ja, den Panda gibt es nicht mehr! So anders ist das „U Mi Yama“ aber auch nicht und kann durchaus als Ersatz durchgehen. Statt Buffet gibt es jetzt Sushi & Co. zum selber Bestellen per Tablet – Ein Tablet pro Tisch, in unserem Fall also für sieben Leute… Irgendwie haben wir es dann aber ganz gut geschafft, uns abzustimmen oder das Tablet einfach rumgehen zu lassen. So konnten am Ende alle Essenswünsche erfüllt werden und wir waren (mindestens) satt.

Vervollständigung von Team und Experiment

Seit Mittwochabend sind wir nun vollständig: Florian und Jan von der Hochschule Mittweida sind in Bordeaux eingetroffen. Grundsätzlich geht es bei dem Kooperationsprojekt um eine Datenanalyse in Echtzeit, die den Experimentatoren helfen soll, einen besseren Eindruck von den gerade durchgeführten Experimenten zu bekommen. Auf dieser Basis wäre dann z.B. eine sinnvollere Bestimmung der Parameter für die nächste Parabel möglich. Auch für ein Weltraumexperiment ist es natürlich wünschenswert, bereits während oder zumindest kurz nach jeder Messung erste Ergebnisse am Boden zu haben und nicht Wochen oder Monate lang warten zu müssen, bis die Datenträger mit den Rohdaten zurück zur Erde transportiert werden.

Natürlich kamen die beiden nicht mit leeren Händen, sondern hatten einige Technik im Gepäck. Auf dieser Kampagne soll es um eine Art Technologiedemo gehen, es werden Partikel im Bild detektiert und eine grafische Auswertung der Dichte präsentiert. Wir wollen ein Gefühl für die Abläufe bekommen und dafür, welche Darreichungsform den Experiment-steuernden Experimentatoren am meisten hilft.

Die eigentliche Datenanalyse braucht doch einiges an Rechenpower und läuft daher auf einem Nvidia Jetson, quasi ein Minicomputer mit niedrigem Energieverbrauch und dafür sehr viel Rechenleistung. Der Jetson stellt ein Webinterface bereit, das während des Fluges auf einem iPad abgerufen und dargestellt wird. Mechanisch war das ganze gestern Vormittag schnell aufgebaut, da der kleine Jetson einfach per Klettband huckepack auf unserem Rack befestigt wurde. Das iPad wird ebenfalls per Klett an einem für diesen Zweck angebrachten Stück Boschprofil fixiert, sofern es gerade niemand in der Hand hält.

So weit so einfach. Aber wie bei jeder Integration – erst Recht, wenn diese zum ersten Mal stattfindet – gibt es auch hier einige Tücken. (Wer erinnert sich noch an die alljährliche Kiel-Greifswalder Stereoskopie-Integration?) Hier liegen diese Tücken naturgemäß eher auf Softwareebene. Daniel (II) und Jan traf man daher am Donnerstag und Freitag fast ausnahmslos fieberhaft programmierend auf dem Flieger an. Der erste größere Knackpunkt war die Übergabe der Greifswalder Kamerabilder an den Jetson, die mittlerweile gut zu klappen scheint. Jetzt geht es noch um kleine, weniger entscheidende Details.

Donnerstagnachmittag mussten wir dann doch noch mal die Kammer aufmachen, weil sich die verstellbaren Elektroden in einer ungünstigen Position verklemmt hatten. Abends wurde es dann kurz noch ein wenig spannender, als die Workshopcrew folgender Funkspruch aus dem Flieger erreichte: „Brauchen dringend ein Multimeter hier oben!“ Tja, einer der drei Dispenser versagte seinen Dienst. Wie sich herausstellte, kam die Spannung jedoch beim Dispenser an und nach einmal Aus- und Einstecken lief er wieder. Glück gehabt, wir mussten also nicht zwecks Dispensertausch unser inzwischen schon wieder mühsam eingepumptes, sehr gutes Vakuum aus der Kammer lassen.

Jetzt hoffen wir natürlich, dass der schlechte Kontakt nicht wieder auftritt – vor allem nicht während des Fluges. Sicherheitshalber haben wir uns dann noch entschlossen, die restlichen Dispenser, die für den zweiten und dritten Flugtag bereitliegen, im Labor trocken zu testen. Kurze Erläuterung für die IMPF-K2-Veteranen: Bei den Zyflex-Dispensern sind die Staubtöpfchen fest an der Stange montiert. Es werden zum Staubwechsel also nicht nur Töpfchen, sondern immer ganze Dispenser gewechselt.

Und der Rest ist (fast) Routine

Nach der doch etwas unkonventionellen Anreise ging es fast schon wie gewohnt weiter. Am Montag wurde das Experiment abgeladen und in gewohnter Manier gereinigt. Nachmittags gab es dann schon die Freigabe zum Boarden.

Montagabend bin ich (Stefan) dann auch planmäßig in Bordeaux eingetroffen, sodass der Greifswalder Teil des Teams komplett war. Es stand somit dem traditionellen Besuch im Simeone nichts mehr entgegen und dieser wurde dann auch prompt umgesetzt.

Gestern früh stand direkt das Boarding des Experiments an. Als erstes Experiment dieser Kampagne wurden unsere Racks um kurz nach 9 Uhr in den Flieger geladen. Die Verkabelung ging ebenfalls schnell vonstatten und so hatten wir bereits gegen 11 Uhr die Kammer abgepumpt und das Plasma gezündet.

Gestern Nachmittag und heute standen dann größtenteils die üblichen Aufgaben an. Ein paar kleine Besonderheiten gab es dann aber doch. Als erstes wurde eine Kamerakalibrierung durchgeführt, um durch Vergleich mit einer vorher im Labor durchgeführten Kalibrierung einschätzen zu können, wie sehr sich die Vibrationen beim Transport auf die Kameras auswirken. Hier Erfahrungen zu sammeln, ist für COMPACT sehr wertvoll, auch wenn zwei Tage auf der Autobahn vermutlich nicht ganz mit einem Raketenstart vergleichbar sind. 😉

Anschließend entschlossen wir uns, die Spiegel der Stereoskopie-Kameras doch noch etwas nachzujustieren, damit die vier Bildfelder möglichst gut übereinander liegen. Danach musste natürlich eine weitere Kalibrierung erfolgen – oder besser gesagt zwei, denn wir haben eine neues Kalibriertarget am Start. Hintergrund ist, dass das für COMPACT geplante Kamerasystem, das auch auf der nächsten Kampagne getestet werden soll, ein deutlich größeres Bildfeld abdeckt. Da ist das bisherige Target einfach zu klein. Detail am Rande: Nebenbei hat das neue Target etwas andere Marker, die nun eindeutig und nicht mehr spiegelsymmetrisch sind. Da sich das neue Target bisher noch nicht in der Praxis bewähren musste, haben wir parallel sicherheitshalber auch noch Kalibrieraufnahmen mit dem alten Target gemacht.

Der Eindruck der Bildschärfe fiel bei der allerersten Kalibrierung recht positiv aus. Daher entschlossen wir uns, auf ein erneutes Scharfstellen möglichst zu verzichten. Wir haben also bereits heute (!) die Dispenser für den ersten Flug befüllt und eingebaut. Nach dem Abpumpen dann der Moment der Wahrheit: Es wurde ein wenig Staub eingefangen und siehe da – die Schärfe passte. Wir hoffen nun also, die Kammer vor dem ersten Flug nicht mehr öffnen zu müssen.

Nachmittags wurde dann noch die obligatorische Polsterung angebracht. Gerade werden noch Setpoints für den RF-Generator erstellt, d.h. in einem automatischen Optimierungsprozess werden für verschiedene Drücke und Elektrodenabstände die einzustellenden RF-Leistungen und Phasenlagen ermittelt, die am Ende die gewünschten Spannungen auf die Elektroden bringen.

Man könnte meinen, damit sind wir fast schon in Flugkonfiguration – am Mittwochnachmittag! Ein bisschen was gibt es allerdings doch noch zu tun und das hat mit der größten Neuerung dieser Kampagne zu tun, bleibt dran. 😉

Zwischenstand zur Packwoche

Die erste Iteration des Packens ist nun abgeschlossen. Aktuell sind wir neben den 2 Experimentracks bei 8 Kisten, einem Werkzeugwagen sowie einer Gesamtmasse von gut einer Tonne. Je nachdem, was für einen Transporter wir genau bekommen und wie viel wir noch in den Kombi quetschen können, sollte das passen. Ansonsten ist der Werkzeugwagen natürlich ein heißer Kandidat zum Rausschmeißen. Das wird sich dann am Freitag herausstellen, wenn wir die Autos abholen und alles wirklich verladen.

Relativ spontan haben wir tatkräftige Unterstützung von Michael (P) bekommen, der zufällig gerade in der Nähe war. So können wir sicher sein, dass zumindest unsere wichtigste Kiste fachmännisch gepackt wurde:

Und es gibt sie doch: PFC 2024

Und zwar diesmal wieder am guten alten September-Termin. Die Kampagne findet nächste und übernächste Woche – natürlich wieder in Bordeaux – statt. Neben der Greifswalder Stamm-Crew bestehend aus André, Christina, Daniel, Daniel und Stefan werden noch zwei Parabonauten von der Hochschule Mittweida vor Ort mit dabei sein. Was es mit dieser Kooperation genau auf sich hat und welche Hardware die beiden im Gepäck haben, dazu später mehr.

Für uns beginnt die Kampagne diesmal bereits ein wenig früher als gewohnt, denn aufgrund extrem gestiegener Speditionskosten sind wir gezwungen das Experiment mal wieder selbst zu fahren. Aktuell befinden wir uns in der Packwoche und sind dabei im Schweiße unseres Angesichts alles so abzuspecken, dass sowohl von der Masse als auch vom Volumen her alles in einen Sprinter passt. Am Freitag wird dieser dann beladen und am Samstagmorgen geht’s mit besagtem Sprinter und einem weiteren PKW auf in Richtung Frankreich.

Ich werde diesem Spektakel übrigens nicht beiwohnen müssen äähm dürfen, da ich erst am Montag nach Bordeaux nachkommen werde. Dafür wird sich auf dem Rückweg Daniel (I) absetzen und ich seinen Platz im Auto einnehmen.