Und zum Zweiten

Ob der heutige Flugtag wohl die Rache dafür war, dass bisher alles so reibungslos geklappt hat? Ein bisschen knifflig war’s heute jedenfalls für unsere Crew (Christina, Wojciech und Stefan).

Gute Stimmung vor dem Flug

Zuerst haben wir auf unseren Erfahrungen von gestern aufbauend einige Messungen noch vertieft. Vor allem ging es hier darum, die Partikelladung durch Einfügen von mehr oder weniger langen „Alles aus“-Zeiten in die Elektrodenansteuerung zu beeinflussen. Hierzu hatten wir bei einer früheren PFC schon ein paar Parabeln aufgewendet, aber noch keine eindeutigen Ergebnisse erhalten. Die heutigen Messungen dazu haben erst einmal funktioniert, alles Weitere muss die Auswertung zeigen.

In der zweiten Flughälfte wollten wir aktive Teilchen bei verschiedenen Laserleistungen aufnehmen, wodurch sich – so die Erwartung – unterschiedliche Aktivitätslevel ergeben sollten. Wir hatten allerdings massive Probleme, eine schöne, voidfreie Staubwolke hinzubekommen. Ursache war vermutlich eine Kombination aus einem ungewohnten Elektrodenabstand (da die untere Elektrode seit gestern klemmt…) mit den falschen RF-Setpoints. Als wir dann ein schönes System hatten, stieg wenige Parabeln später wieder mal der Digitalcontroller aus, sodass wir die Dispenser nicht mehr betätigen konnten. Ein Softwareneustart reichte aus, um dieses Problem zu lösen. Dennoch blieben nur noch ein paar Parabeln, um alle Laser-Settings einmal durchzuspielen. Dazu kam, dass eines unserer Teammitglieder nach gut 20 Parabeln ausfiel, wodurch es dann nochmal ein bisschen stressiger wurde. Grundsätzlich haben wir dennoch alles im Kasten. Viele Messungen haben wir aber nur genau einmal gemacht, sodass wir morgen versuchen wollen, diese zu wiederholen.

Die Flugroute von Mittwoch
Höhen- und Geschwindigkeitsprofil

Erster Flugtag

Bevor ihr euch allzu große Sorgen macht, hier schnell ein Update zum heutigen Flugtag. Die Crew bestehend aus Daniel, Baldo und Stefan war über dem Atlantik und der Bretagne unterwegs, sodass sich An- und Rückflug kurz gestalteten. Sowohl Baldo als auch die „alten Hasen“ haben den Flug sehr gut überstanden.

Die Flugcrew von Dienstag. Entschuldigt bitte das furchtbare Bild. Da hat es uns den Weißabgleich unwiderbringlich verhauen…

Auch das neue Experiment hat einwandfrei funktioniert, und so blieben uns Computerneustarts, Sicherungswechsel oder das Aufschrauben des Containments glücklicherweise erspart. Wir haben den Tag genutzt, um die neue Zyflex-Kammer kennenzulernen: Bei welchen RF-Einstellungen (Spannungen, Phasen, Pulsmustern und -dauern) ergeben sich welche Staubwolken und wie vergleicht sich das mit der alten Kammer? An dieser Art von Fragen haben wir uns hauptsächlich abgearbeitet.

Die Flugroute von Dienstag
Höhen- und Geschwindigkeitsprofil von Dienstag

Nachmittags standen die üblichen Kalibrier- und Justagearbeiten sowie das Wechseln der Dispenser an. Wir haben unter anderem silberbeschichtete Teilchen eingefüllt, um morgen (hoffentlich) Experimente mit aktiven staubigen Plasmen durchführen zu können.

Erstfliegerinterview mit Baldo

Heute früh vor dem Flug haben wir uns noch schnell Baldo für das obligatorische Erstfliegerinterview geschnappt. Erstmals wart ihr, liebe Freunde des Blogs, aufgerufen eure Fragen an Baldo einzureichen. Die Resonanz war noch etwas – nunja – ausbaufähig. 😉 Doch wir hoffen, mit diesem Interview eure Neugier zu stillen und einige der eingereichten Fragen klären zu können.

Wochenende: Bewährte Kombi aus Tradition und Neuerungen

Das Wochenende begann am Freitagabend zunächst mit einem Trip in die Stadt. Während das Programm am ersten Abend ja immer gesetzt ist, hatten wir nun mehr Freiheiten. Wir konnten in Ruhe ein paar Runden durch die Stadt drehen und auch mal die ausgetretenen Pfade verlassen. Schließlich sind wir dann aber doch in einem Restaurant eingekehrt, das wir schon kannten. Anschließend ging’s nochmal an die frische Luft und wir bekamen Orte zu sehen, die selbst manch kampagnenerfahrener Parabonaut noch nie gesehen hatte. 😉

Am Samstag ging’s nach Blaye, wo wir – natürlich – die Festung angeschaut und anschließend einen Imbiss genossen haben. Auf dem Rückweg haben wir noch Halt bei der Höhle Pair-non-Pair gemacht, um uns die dortigen prähistorischen Wandgravuren erklären zu lassen. Mittlerweile wissen wir sogar, worauf man achten muss, um die Bilder sofort zu erkennen.

Der Sonntag bestand aus einem Trip nach Cap Ferret (André, Wojciech, Baldo, Stefan) bzw. an den etwas nördlich gelegenen Strand von Grand Crohot (Christina und Daniel). Als Neuerung waren wir auf dem Leuchtturn von Cap Ferret und haben die wirklich tolle Aussicht (u.a. auf die Dune de Pilat) genossen. Der Rückweg war allerdings weniger erfreulich. Offenbar versursacht durch einen Unfall bildete sich ein übler Stau, sodass wir für den normalerweise knapp einstündigen Rückweg etwa drei Stunden brauchten. Aber dank Baldos Versorgung mit Macarons war das alles halb so wild. 😉

Donnerstag und Freitag: keine größeren Zwischenfälle

Vielleicht stumpft man ja mit der Zeit auch etwas ab, aber ich muss sagen: Bisher läuft die Kampagne erfreulich unaufgeregt. Obwohl wir das neue Rack am Start haben, gab es eigentlich keine unerwarteten Schwierigkeiten. So haben wir am Donnerstag ohne große Klimmzüge die Flugkonfiguration erreicht. Hauptsächlich haben wir den Tag genutzt, um den Staub für den ersten Flugtag festzulegen und die Dispenser zu befüllen und einzubauen.

Am Freitagvormittag fand das „große“ Review aller Experimente durch Novespace statt, währenddessen diesmal der Flieger nach Möglichkeit nicht bestiegen werden sollte. Wir hatten zunächst überlegt, die Zeit zum Pumpen zu nutzen und haben uns dafür die Erlaubnis geholt. Schlussendlich haben wir dies jedoch doch nicht gemacht, da der Druck am Donnerstagabend schon ganz gut war. Mit anderen Worten: Wir konnten ein klein weng ausschlafen. Im Anschluss gab es den mittlerweile gewohnten Engine-On-Test mit laufenden Triebwerken, bei dem der Flieger aber nicht bewegt wird. Nachmittags haben wir noch die Backup-Festplatten vorbereitet. Ein überaus wichtiger Schritt, denn was nützt die beste Kampagne, wenn die Messdaten am Ende nicht vernünftig gesichert und transportiert werden können?

Während des Engine-On-Tests – zu erkennen an den entfernten Treppen

Als fast ebenso wichtiger Programmpunkt fand am Donnerstagabend ein Baguette & Jeanette im Rattenpark statt. Diesmal haben wir auf Anhieb alles standesgemäß hinbekommen. Aber überzeugt euch selbst:

Dienstag und Mittwoch: Erste Arbeiten auf dem Flieger

Pünktlich wie immer bzw. wie abgestimmt startete das Boarden des Experiments gestern (Dienstag) um 10 Uhr. Kaum eine halbe Stunde später hatten wir das Experiment oben. Man muss echt sagen, dass das Handling der aktuellen Racks dank des relativ geringen Gewichts und der orangenen Transportwagen echt gut ist. Und natürlich wurde die Aktion auch seitens Novespace und Sabena Technics wieder mal höchst professionell abgewickelt, soadss wir uns keine Sorgen um unser Equipment machen mussten.

Sodann wurde alles verkabelt und in Betrieb genommen. Auch hier blieben unliebsame Überraschungen weitestgehend aus. Gestern Nachmittag haben wir dann noch das Foam Padding angebracht. Rein äußerlich hätte man fast meinen können, dass wir flugbereit waren.

Doch heute stand noch die Justage und Kalibrierung der Optik an. Uns fiel beim ersten Funktionstest direkt auf, dass zwei der vier Stereo-Kameras recht matschig aussahen. Doch zuerst haben wir uns die Laser vorgenommen. Dazu wurde die Kammer geöffnet, um direkt am „Ort des Geschehens“ den Strahl prüfen zu können. Hierzu haben wir erstmals eine Beam Profiling-Kamera verwendet. Der 2D-Laser passte, beim 3D-Laser haben wir noch den Strahlengang leicht nachjustiert.

Die 3D-Kameras mussten eigentlich nur neu scharf gestellt werden – natürlich auf im Plasma levitierten Staub. Also Kammer zu und abpumpen… Anschließend haben wir die Kammer erneut geöffnet, um eine Kamerakalibriersequenz mit dem Schachbrett-Target aufzunehmen. Zum Schluss wurde die Kammer noch gereinigt, geschlossen und wieder abgepumpt.

Parallel gibt es noch einige Software-Baustellen, oder vielleicht sollte ich lieber sagen, Verbesserungen. Alle Fehler sind nämlich mittlerweile ausgemerzt und nun geht es hauptsächlich um die Verbesserung der Bedienbarkeit. Hier bringt Daniel wahre Höchstleistungen. Geradezu regelmäßig erreichten das Team auf dem Flieger Updates der Steuer- und Aufnahmesoftware, die mittlerweile echt gut funktioniert. Das ist insofern keine Selbstverständlichkeit, da wir – wie bereits erwähnt – diverse neue Komponenten dabei haben, die somit auch recht „frisch“ in der Steuerung implementiert sind.

Parabelflüge und Fallturm-Experimente an der Universität Greifswald