First Light in Zyflex 2!

Die Kammer ist fertig und funktioniert. Hier seht ihr noch einmal das erste Plasma in voller Pracht:

Erstes Plasma in der neuen Zyflex. Wirklich das allererste! *hust*

Auch die Farbe ist schon gar nicht übel, nicht wahr? Wie versprochen hier jetzt ein paar technische Details:

Bei der alten Zyflex konnten Elektrode und Guardring getrennt verfahren werden. Dafür kamen jeweils zwei Piezo-Linearmotoren zum Einsatz – für oben und unten, Elektrode und Guardring also insgesamt acht Motoren. Dass immer zwei Motoren gemeinsam ein Teil bewegen sollten, hatte zur Folge, dass das Ganze verklemmte, sobald die Motoren mal nicht ganz synchron liefen. Also eigentlich fast immer.

Elektrode und Guardring werden bei der neuen Kammer gemeinsam verfahren. Dafür gibt es nur einen Motor, der über einen Zahnkranz drei Gewindespindeln antreibt, die dann die Elektrode und den Guardring verstellen. Durch die mechanische Kopplung laufen die Spindeln zwangsläufig synchron.

Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit Peltierelemente zur Steuerung der Elektrodentemperatur und Temperatursensoren einzubauen, was wir für die kommende Kampagne allerdings (noch) nicht nutzen werden.

Heute haben wir eine kleine Stellprobe gemacht. Im Rack wurden eine alte Dummy-Kammer (Wer erinnert sich noch an die PFC 2019?), 2D- und 3D-Laser und die Stereoskopiekameras platziert. Da das neue Rack etwas schmaler als das alte ist, können die Laser nicht wie gehabt nebeneinander stehen (zu sehen z.B. in diesem Beitrag). Daher war es ein wenig spannend, wie gut alles passt und ob noch viele Teile modifiziert werden müssen. Zu unserer Erleichterung klappt es aber mit auf die andere Seite gedrehtem 3D-Laser schon ganz gut, sodass nur kleine Änderungen fällig werden.

Zum Abschluss noch ein kleines Bilderrätsel. Unten seht ihr, wie es gerade in unserem Rack aussieht. Was ist hier mit der Kammer passiert?

Spezialkammer?!?
Und hier die Auflösung:
Der Schraubendreher dient zum Markieren der Kammermitte – die Position, wo später der Vakuumanschluss dran muss.

Bastelstunde!

Hier mal ein kleiner Einblick in unsere aktuellen Arbeiten. Da wir doch eine ganze Reihe an neuen Komponenten am Start haben, haben sich auch die Anforderungen an die Stromversorgung geändert. Da das alte System darüberhinaus nicht mehr allen Anforderungen entspricht und man ihm doch deutlich ansieht, dass es über die Jahre „gereift“ (sprich: unübersichtlich geworden) ist, wird an dieser Stelle ein Reset fällig. Das grundsätzliche Konzept wollen wir in der Form übernehmen, dass weiterhin möglichst viele Geräte aus zentralen Netzteilen gespeist werden sollen, um einen Wust an Steckernetzteilen zu vermeiden. Gleichzeitig ist jetzt alles vernünftig abgesichert und vom alten Kieler Experiment übernehmen wir die schicken Verteilerboxen für die 12 und 24 Volt – auch wenn uns die wahrscheinlich nicht ganz so schick gelingen werden. 😉

Seit dieser Woche sind alle Teile vollständig geliefert, sodass es losgehen konnte. Als erstes habe ich mir die power supply box oder kurz PSB vorgenommen. Diese Kiste, die im kleinen Rack unterkommen wird, beherbergt wie der Name schon sagt die Netzteile. Unten seht ihr eine allererste Stellprobe – mittlerweile ist das Ganze schon etwas weiter.

Christina ist derweil dabei, die neue Zyflex-Kammer zusammenzubauen. Hier seht ihr einen kleinen Einblick in ihr Reich:

Hierzu folgen demnächst noch weitere Details. An dieser Stelle sei nur gesagt, dass die Kammer massiv überarbeitet wurde und wir uns nun Hoffnungen machen können, dass sich die Elektroden endlich ohne zu verklemmen verfahren lassen. 😉

PS: Gerade höre ich, dass die Kammer soweit fertig ist und zum ersten Mal abgepumpt wird. Es sieht so aus, als ob alles dicht ist!

Kick-Off der besonderen Art

Im September ist es mal wieder so weit. Vom 7. bis 18.9. geht es nach Bordeaux für unsere diesjährige Parabelflugkampagne. Es sieht so aus, als ob uns Wojciech wieder begleiten wird, den man mittlerweile wohl mit Fug und Recht als Teil der Stamm-Crew bezeichnen darf. Es gibt aber auch Veränderungen im Team, und es wird auch endlich wieder ein Erstflieger dabei sein – seid gespannt. 😉

Eine weitere große Veränderung gibt es beim Experiment. Das wird nämlich gerade zu großen Teilen neu gebaut! Seit einiger Zeit schon haben wir einige „Altlasten“ verbaut – Systeme, die unter den heutigen Regularien so nicht möglich wären – und außerdem ist das große Rack zu schwer. Dazu kommt, dass wir nun recht viele neue Komponenten haben. Einerseits ist eine neue, stark überarbeitete Version der Zyflex-Kammer fertig, bei der die Elektrodenverstellung (hoffentlich) nicht mehr verklemmt. Andererseits sollen vor allem im Gassystem nun die Komponenten getestet werden, die für COMPACT ausgewählt wurden.

Noch am DLR wurde unter Christinas und Daniels Federführung ein Rack gebaut, welches für die neue Kammer ausgelegt ist. Tja, und das stand seitdem beim DLR im Keller… bis zur letztjährigen Kampagne. Dort war das Tempus-Team so freundlich, das Rack aus Köln mitzubringen, sodass es nun über Bordeaux den (Um)Weg zu uns gefunden hat. Der Plan ist, dieses Rack komplett neu zu bestücken, während das kleine Rack weiterhin zum Einsatz kommt und nur stellenweise modifiziert wird.

Jetzt wird es ernst: Wir haben erstmal Platz im Labor geschaffen, und inzwischen steht das Rack in „Montageposition“ auf den Tischen des alten Kieler Experiments. Der Zeitplan ist natürlich ganz schön straff, aber wir werden versuchen euch über den Fortschritt auf dem Laufenden zu halten.

Was in der Zwischenzeit geschah

Wissenschaftliche Ergebnisse der letzten Kampagne haben wir kurz nach der Rückkehr natürlich noch nicht. Stattdessen werden noch fleißig Daten gesichert und aufbereitet, um dann im nächsten Schritt ausgewertet werden zu können. Wir möchten euch hier allerdings ein paar Ergebnisse von früheren Kampagnen zeigen, um auch mal den wissenschaftlichen Teil gebührend zu beleuchten.

Los geht’s noch mit den letzten Messungen vom „alten“ Experiment, genauer gesagt von der PFC 2022. Dort hatten wir einen Draht in die Kammer eingebaut und untersucht, wie dieser vom Staub umströmt wird (Details in diesem Blogbeitrag). Das Ganze schien anfangs etwas langweilig, da der Draht einfach mehr oder weniger laminar umströmt wurde und die 3D-Auswertung auch nur mittelmäßig funktionierte. Dann haben wir aber gesehen, dass sich unter bestimmten Bedingungen Bugstoßwellen (bow shocks) ausbilden, die wir recht gut auswerten konnten. Diese breiten sich mit konstanter Geschwindigkeit vom Draht weg aus und zeigen sich recht unbeeindruckt davon, was sonst so in der Staubwolke vor sich geht. Das ganze wurde schließlich Anfang dieses Jahres in Physics of Plasmas veröffentlicht und war dort sogar ein Feature und ein Scilight wert.

Grafiken CC BY 4.0 S. Schütt, C. A. Knapek, D. Maier, D. P. Mohr, A. Melzer, Bow shock formation in a dusty plasma flowing around an obstacle under microgravity, Phys. Plasmas 32, 023704 (2025).


Weiter geht’s mit der Zyflex-Kammer. Ab und an kam ja schon die Vier-Elektroden-Konfiguration zur Sprache (z.B. in diesem Beitrag), aber wozu ist das Ganze jetzt gut? Im Wesentlichen werden die Elektroden wechselweise für kurze Zeiträume eingeschaltet, wodurch die Plasmaproduktion verschoben und somit auch die Richtung des Ionenstroms beeinflusst wird. Macht man das schnell genug, hebt sich der Ionenstrom aus Sicht der vergleichsweise trägen Staubpartikel im Mittel auf. In der Folge ist es möglich, homogene Staubwolken ohne Void zu erzeugen. Eine systematische Charakterisierung der entstehenden Staubwolken wurde ebenfalls in PoP veröffentlicht. Dabei wurde natürlich auch die Möglichkeit genutzt, die Elektroden zu verfahren, und bei verschiedenen Elektrodenabständen gemessen. Es zeigte sich, dass die Pulsfrequenz (sofern hoch genug) kaum einen Einfluss auf die Staubwolke hat, wohl aber natürlich Elektrodenabstand und Gasdruck.

Grafiken CC BY 4.0 C. A. Knapek, D. P. Mohr, P. Huber, Void closure in a pulsed complex plasma in microgravity, Phys. Plasmas 31, 063702 (2024).


Last but not least haben wir noch eine Methode zur Fluidanalyse auf unser staubiges Plasma angewandt, um die dynamischen Eigenschaften der Staubwolke in 3D zu charakterisieren. Dabei kommt ein Konstrukt namens finite-time Lyapunov exponents (FTLE) zum Einsatz, also Ljapunow-Exponenten, die zu festen Zeitschritten – hier Vielfachen der Framerate – ermittelt werden. Diese sagen uns, wo in der Staubwolke sich Fluidelemente aufeinander zubewegen und wo sie sich voneinander entfernen. Es wurde gefunden, dass auch unsere ausgedehnten Staubwolken in der Zyflex-Kammer weitgehend inkompressibel sind, so wie dies bereits für kleinere Systeme angenommen wird. Weiterhin wurde ein Vergleich zwischen einer Partikelerkennung per neuronalem Netz (AIPR = Artificial Intelligence Particle Reconstruction) und klassischen, bewährten Methoden durchgeführt und gezeigt, dass das neuronale Netz bei reduziertem Rechenaufwand vergleichbare Ergebnisse liefert. Im Detail nachlesen kann man das alles bei Physical Review E.

Grafiken CC BY 4.0 A. Melzer, C. Knapek, D. Maier, D. Mohr, S. Schütt, Three-dimensional finite-time Lyapunov-exponent analysis of fluid dusty plasmas under weightlessness using a machine-learning particle reconstruction technique, Phys. Rev. E 111, 045214 (2025).

Kampagnenabschluss

Ich bin wieder weitestgehend einsatzbereit und so bleibt mir die Ehre, den erfolgreichen Abschluss der Kampagne zu verkünden. Nach planmäßiger Rückreise konnten wir das Experiment bereits am Montag wieder in Empfang nehmen.

Soweit ich das mitbekommen habe, verlief auch der dritte Flugtag reibungslos. Hier seht ihr die obligatorischen Flightradar-Plots:

Die Flugroute sieht recht interessant aus, was wohl mit der ständigen Suche nach geeignetem Wetter zusammenhing. Belohnt wurde das Ganze mit sehr ruhigen Parabeln. Da nicht komplett über dem Mittelmeer, sondern zu guten Teilen auch über Land geflogen wurde, dauerte der Flug kaum länger als ein normaler Atlantik-Flug.

Kuriosität am Rande: Wie jetzt beim Export der Kurven auffiel, gibt es wohl einen Bug bei Flightradar. Wenn man die Einheiten auf metrisch umstellt, ändern sich zunächst nur die Einheitenbeschriftungen, nicht jedoch die Zahlen an den Achsen. So geschehen beim ersten Flugtag, wo natürlich in Wahrheit nicht zwischen 20 und 30 km Höhe (statt der üblichen 6-8 km) und dafür mit nur 200 km/h geflogen wurde.

Flugtag 3 – Ein letztes Mal für dieses Jahr

So, auch heute können wir trotz Nebels einen planmäßigen Start bekanntgeben. Die Crew bestehend aus Christina, Daniel II, Jan und Wojciech ist gegen 09:16 abgehoben.
Da über dem Mittelmeer geflogen werden soll, erwarten wir, dass der Flug heute ein klein wenig länger dauert.

Parabelflüge und Fallturm-Experimente an der Universität Greifswald