Das Experiment

Natürlich sind die Parabonauten ein wesentlicher Bestandteil der Kampagne, aber letztlich geht es hier vor Ort natürlich um Physik. Deshalb wollen wir Euch an dieser Stelle den stillen Star des Teams vorstellen: Das Experiment.

Wie die meisten unserer Leser wahrscheinlich wissen, erforschen wir sogenannte staubige Plasmen, also mikrometer-große Plastikkügelchen, die sich in einer Hochfrequenzentladung befinden. Um zu erklären, wie wir dies machen und was wir uns von unserer Forschung versprechen, müsste man ziemlich weit ausholen und das soll an dieser Stelle aus Zeitgründen zunächst unterlassen werden (vielleicht schaffen wir es ja später noch ein paar Sätze dazu zu formulieren). Trotzdem noch ein paar Worte dazu, warum wir einen solchen Aufwand betreiben und riesiges Experiment samt Team durch halb Europa schicken um dann in einem Flugzeug, das nicht einmal eine Standard-Fluglizenz besitzt, abenteuerliche Manöver zu vollführen. Der Grund hierfür ist eigentlich relativ einfach. Da Staubkörner makroskopisch, also mehrere Mikrometer groß sind, ist die Schwerkraft keine zu vernachlässigende Größe und die Partikel fallen im Labor gewissermaßen aus dem Plasma heraus und sammeln sich in einer pfannkuchenförmigen Wolke. Zwar hat auch eine solche Anordnung etwas für sich, wir haben es aber lieber groß, ausgedehnt und vor allen Dingen dreidimensional und dafür muss man nunmal die Schwerkraft „abschalten“. Dafür gibt es allerdings relativ wenig Möglichkeiten und eine davon ist der Parabelflug. Ist aber nicht wirklich schlimm, denn irgendwie macht es ja auch Spaß ?

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Nun aber, wie versprochen zu unserem eigentlichen Star. So ein physikalisches Experiment ist ja in den meisten Fällen ansich schon ein modernes Kunstwerk, welches nicht selten vor Hightech nur so strotzt. Für unsere Apparatur gilt das aber in besonderem Maße, da wir das ganze ja nicht im Labor betrieben, sondern in einem A-310. Folglich gibt es eine Menge zusätzlicher Einschränkungen, die vor allen Dingen aus den erhöhten Sicherheitsanforderungen, die uns vom Betreiber des Flugzeugs und der französischen Flugbehörde gestellt werden, resultieren.  Und trotzdem soll das Experiment dann bloß nicht zu schwer und erst recht nicht zu leistungshungrig sein. Man erkennt also: das ist prinzipiell keine so leichte Aufgabe. Aber wir haben unser Hausaufgaben natürlich gemacht ? Sonst wären wir ja auch nicht jedes Jahr wieder mit an Bord.

Wer den Blog aufmerksam verfolgt hat, dürfte gesehen haben, dass wir mittlerweile mit unserem Experiment seit über zehn Jahren im Business sind, was natürlich auch bedeutet, dass unsere Apparatur über die Zeit immer weiter gewachsen und so zu einem wahren Monstrum geworden ist, zumindest wenn man die anderen Experimente an Bord als Maßstab nimmt. Reichte es anfangs drei Parabonauten mit auf einen Flug zu nehmen, haben wir nunmehr mit fünf Experimentatoren das größte Team an Bord. Am zweiten Flugtag der letzten Kampagnen waren wir dank eines zusätzlich erteilten Platzes sogar zu sechst. Dass auch das Experiment selbst stetig gewachsen ist, lässt sich gut daran erkennen, dass es uns anfangs noch möglich war, alle Komponenten selbst in einem Sprinter nach Bordeaux oder Köln (wo die Kampagnen auch hin und wieder stattfinden)  zu befördern. Heute bedarf es der Mithilfe einer Spedition, beide Racks (in Holzkisten verpackt) und das in Zargesboxen verstaute Material auf mehreren Europaletten an den Zielort zu schaffen.

Parabelflüge und Fallturm-Experimente an der Universität Greifswald